VSDAR Newsletter No. 7-8/2005 (Juli-August 2005)
Verband der Spezialkliniken Deutschlands für Augenlaser und Refraktive Chirurgie e.V.

In diesem Monat setzen wir unsere Serie "Fehlsichtigkeit - nicht nur LASIK kann helfen" fort.
Eine Übersicht über die vorzustellenden Verfahren finden Sie hier.

Teil 5: Refraktiver Linsenaustausch

Als refraktiven Linsenaustausch bezeichnet man den Austausch der körpereigenen Linse gegen eine Kunstlinse. Die zum Einsatz kommende Operationstechnik wird bereits seit 50 Jahren zur Behandlung des Grauen Stars (meist altersbedingte Trübung der Augenlinse) eingesetzt und seither kontinuierlich verbessert.

Bei der Operation wird die eigene Augenlinse, die in jungen Jahre flexibel ist und dadurch die Brechkraft des Auges ändern kann, durch eine Kunstlinse ersetzt. Dadurch geht die Fähigkeit verloren, durch Verformung der Linse (Akkommodation) auf unterschiedliche Entfernungen scharf sehen zu können.

Der Refraktive Linsenaustausch wird bei hohen bis extrem hohen Fehlsichtigkeiten angewandt. Auf Grund des beschriebenen Akkomodationsverlustes wird das Verfahren erst eingesetzt, wenn die Fähigkeit der Linse zur Nahanpassung bereits reduziert ist, d. h. in der Regel ab dem 40. Lebensjahr. Falls bereits eine beginnende Linsentrübung (Grauer Star) vorliegt, ist der Linsenaustausch auch bereits in jüngeren Jahren möglich.

Der Eingriff wird meist in örtlicher Betäubung ambulant durchgeführt. Die Operation dauert bis zu einer halben Stunde und besteht aus zwei Schritten: Im ersten Schritt wird die körpereigene Linse entfernt. Durch einen kleinen nur circa 2,8 mm großen peripheren Einschnitt wird die vordere Hülle (vordere Kapsel) der Linse kreisförmig geöffnet. Durch diesen Schnitt wird die Linse mittels Ultraschall zertrümmert (Phakoemulsifikation) und abgesaugt. In einem zweiten Schritt wird die Kunstlinse in die nun leere Linsenkapsel eingesetzt.

Die Stärke der neuen Linse wurde vor der Operation basierend auf präzisen Ultraschallmessungen und dem bestehenden Sehfehler genau berechnet. Meistens müssen beide Augen operiert werden, die zweite Operation wird in der Regel im Abstand von 1-2 Wochen durchgeführt. Wie nach jeder Operation sind auch nach einem Linsenaustausch Kontrolluntersuchungen notwendig. Die erste Kontrolluntersuchung findet jeweils am Tag nach der Operation statt. Der Arzt bespricht mit Ihnen die Anwendung der Augentropfen, die Sie für etwa vier Wochen tropfen müssen.

Mehr als 90 % der Patienten erreichen durch den Refraktiven Linsenaustausch eine ausreichende Sehschärfe, mit der sie ohne Brille Auto fahren können.

Das moderne Verfahren der Phakoemulsifikation und die weiterentwickelten mikrochirurgischen Geräte haben das Risiko von Komplikationen in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verringert. Als wichtigster Nachteil ist die Notwendigkeit einer Lesebrille zu nennen - es sei denn, Sie entscheiden sich für die Implantation sogenannter Multifokallinsen, die unter bestimmten Umständen ein ausreichend gutes Sehen in der Ferne und in der Nähe ermöglichen können.



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