VSDAR Newsletter No. 06/2003 (Juni 2003)
Verband der Spezialkliniken Deutschlands für Augenlaser und Refraktive Chirurgie e.V.

Zukunft der Refraktiven Chirurgie:
"Adleraugen und Eulenaugen"

Bei einem Sehtest beim Augenarzt wird die Sehleistung üblicherweise nur anhand der Formerkennung bestimmter Buchstaben oder Zahlen geprüft. Hierzu wird der Patient gefragt, ob er bestimmte Buchstaben oder Zahlen in einem definierten Abstand erkennen kann. Die Sehleistung wird anschließend in Prozent angegeben. Diese Formerkennung der Zahlen und Buchstaben wird gern unter guter Beleuchtung durchgeführt, d.h. dass der Sehtest bei niedrigem Kontrast und auch in der Dämmerung nicht zur Standarduntersuchung gehört. Bei der bisherigen Bemessung der Sehfähigkeit des Patienten diente demzufolge nur die subjektive Formerkennung von Zahlen und Buchstaben unter guten Lichtverhältnissen als Grundlage, was wiederum nicht sehr viel über die Qualität des Sehens aussagt - das, was der Patient wirklich sieht und ob dies auch in der Dunkelheit von ihm zu erkennen ist.

Bei der Korrektur einer Fehlsichtigkeit mit Hilfe von Brille oder Kontaktlinsen werden die Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Hornhautverkrümmung ausgeglichen. Das menschliche Auge hat jedoch - wie alle optischen Systeme - zusätzlich noch Abbildungsfehler höherer Ordnung, die so genannte optische Aberrationen. Diese führen normalerweise dazu, dass an der Netzhaut nicht nur ein Brennpunkt erzeugt wird, sondern viele Brennpunkte um die Macula (Stelle des schärfsten Sehens) liegen, was zu Blendungen und herabgesetztem Kontrastsehen führt. Die Aberrationen des menschlichen Auges führen also zu einer Verschlechterung der Qualität des Netzhautbildes, was wegen der Verwischung und Verzerrung der einzelnen Bildpunkte, je nach Ausprägung, zu einer Verschlechterung des Sehvermögens führen kann.

Seit etwa 10 Jahren ist es klinisch möglich geworden, die Aberrationen mit Geräten, dem so genannten Aberrometer, zu vermessen und seit etwa 3 Jahren ist nun auch die Korrektur der vorhandenen Aberrationen mit Hilfe des Lasers möglich.

Das menschliche Auge ist prinzipiell so aufgebaut, dass es in der Regel zu einem guten Sehvermögen (Optik) führt. Individuelle Unterschiede im Sehvermögen werden insbesondere bei erweiterten Pupillen erkennbar, da sich bei dunkler Beleuchtung die Pupille gewöhnlich weitet (vergleichbar mit einer Kamera: kleine/große Blende). Hierbei spielen die Aberrationen eine wichtige Rolle, denn sie führen zu einer Herabsetzung der Sehqualität bedingt durch Lichthöfe um Lichtquellen (Halos) und herabgesetztem Kontrastsehen.

Die Qualität des Sehens hängt aber nicht nur von dem optischen System (Hornhaut und Linse) ab, sondern auch von der Netzhaut. Die menschliche Netzhaut hat eine Qualität, die normalerweise eine Sehschärfe von mehr als 200 Prozent zulassen sollte (bei Raubvögeln ist ein Visus von bis zu 500 Prozent möglich = "Adleraugen"). Dass diese Sehschärfe am menschlichen Auge praktisch nur sehr selten erreicht wird, ist auf die schlechte Qualität des optischen Systems zurückzuführen und nicht auf die Netzhaut. Zumindest teilweise sind also die optischen Aberrationen der Hornhaut dafür verantwortlich, dass ein übernormaler Visus in der Regel nicht erreicht wird. Die Aberrationen des Auges können durch Brille oder Kontaktlinsen nicht korrigiert werden, da das Auge beweglich ist und die Aberrations-Korrektur augenzentriert erfolgen muss. Es bleibt also nur die Korrektur mittels refraktiver Hornhautchirurgie, wofür in den letzten Jahren entsprechende Excimer-Lasersysteme entwickelt wurden. Notwendig dazu sind so genannte Scanning-Spot-Laser, bei denen ein ca. 1 mm großer Laserspot über die Hornhaut geht und dabei selektiv Hornhautgewebe entfernt wird.

Bei einer solchen aberrometriegesteuerten Operation wird das Auge zuerst mit einem Aberrometer vermessen. Aus dieser Messung kann dann der Betrag des zu entfernenden Hornhautgewebes an jedem Ort der Hornhaut berechnet werden, das so genannte Ablationsprofil, damit dann der entsprechende Betrag an Hornhautgewebe mittels des Scanning-Spot-Lasers erfolgen kann. Es handelt sich also um eine individuell für jedes Auge maßgeschneiderte Behandlung.

Die bisherigen Untersuchungen haben gezeigt, dass es in etwa 25 Prozent der Fälle zu einem deutlichen Anstieg der Sehleistung nach einer LASIK-OP kommt. Was aber in diesem Zusammenhang wichtiger erscheint, ist die Qualität des Sehens, da der Patient nun bei dunkler Beleuchtung imstande ist, die Formen einzelner Objekte und Gegenstände viel besser zu erkennen als dies üblicherweise der Fall ist.

Bei der Aberrometer-Messung handelt es sich demzufolge um ein objektives Verfahren, bei dem das Licht, was die Netzhaut erreicht, genauestens analysiert wird und die einzelnen Aberrationen im optischen System damit ermittelt werden. Die Methode läßt verständlicherweise eine viel genauere Diagnostik zu, als es bei der normalen Untersuchung der Fall ist, wo ja der Patient beim Augenarzt die Form von Zahl oder Buchstabe erkennen soll. Die neue Technologie - Aberrometer-Untersuchung und wellenfrontgesteuerte LASIK-Behandlung - führte zu einem Fortschritt in der Refraktiven Chirurgie. Stand bisher nur der Wegfall von Brille und Kontaktlinsen im Vordergrund, so verlangen heute Patienten zusätzlich eine Verbesserung, mindestens aber einen Erhalt, sowohl des Sehens bei guter/heller als auch bei dunkler Beleuchtung.



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