Live-Chirurgie zum Praxis-Jubiläum
23.06.2004 - DILLENBURG (MedCon) – Aktuelle Op-Verfahren standen im Mittelpunkt
des diesjährigen Fortbildungssymposiums der Gemeinschaftspraxis Dr. Ulrich
Jung, Dr. Kaweh Schayan-Araghi und Susanne Scheibel in Dillenburg.
Rund 100 Augenärzte waren am vergangenen Samstag der Einladung in den Westerwald gefolgt. Die Gastgeber feierten ein kleines Jubiläum: Seit zehn Jahren besteht die Gemeinschaftspraxis, auf fast 29 000 Operationen können die Ophthalmochirurgen zurückblicken.
Das Jubiläum war Anlass genug, den Trierer Operationskurs zur Lidchirurgie in diesem Jahr zu verschieben – stattdessen eröffnete der Trierer Chefarzt Dr. Uwe Press die Live-Surgery-Sitzung, die aus dem Augen-Op der Lahn-Dill-Kliniken in die Stadthalle Dillenburg übertragen wurde. Er demonstrierte eine Ptosis-Op mit Levator-Refixation bei einer Patientin, die infolge zurückliegender netzhautchirurgischer Eingriffe eine Ptosis erlitten hatte.
Prof. Dr. Frank Wilhelm, im Begriff von der Universitätsaugenklinik Halle als Chefarzt an die Augenklinik in Schwerin zu wechseln, zeigte eine Phakoemulsifikation mit Implantation einer Intraokularlinse durch eine Mikroinzision von 1,7 Millimeter. Mit der Intraokularlinse (Acrismart, Firma Acritec) habe er bislang gute Erfahrungen gemacht: Nach einem Jahr habe er noch keinerlei Dezentrierung oder Nachstar gesehen. Wichtig sei, die Linse sorgfältig unter dem Mikroskop in den Shooter einzulegen, da sie sonst leicht beschädigt werde.
Kurt D. von Wolff, Groß-Pankow, zeigte eine Op-Technik, die vor allem bei jungen Patienten mit einem medikamentös schlecht regulierbaren Glaukom Vorteile verspreche: eine Viskokanalostomie mit dem Ziel, den Schlemmschen Kanal wieder nutzbar zu machen. Die Trabekulektomie sei der Goldstandard, so von Wolff, dieser Eingriff werde jedoch meist im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung eingesetzt, wenn ein Zieldruck von 13 oder 14 mmHg angestrebt werde. Nur 25 Prozent der Patienten erreichten dieses Ziel tatsächlich. Neue diagnostische Möglichkeiten erlaubten es, eine Progression des Glaukoms schon früh zu dokumentieren und auch schon früh einzugreifen, wenn erkennbar ist, dass die Krankheit medikamentös nicht zu kontrollieren ist. Oft reiche in diesen Fällen schon ein Zieldruck von 18 mmHg aus. Ein Abwarten würde hingegen bedeuten, dass der Zieldruck immer niedriger angesetzt werden muss. In Groß-Pankow werde dieses Verfahren deshalb seit 1997 vor allem bei jüngeren Patienten eingesetzt, wissend, dass wahrscheinlich eine weitere Therapie nötig sein wird. Die Komplikationsrate sei gering, die Vernarbungstendenzen weniger ausgeprägt. Deshalb könne man gegebenenfalls an derselben Stelle reoperieren.
Gastgeber Schayan-Araghi führte eine neue Variante der Phakoemulsifikation vor: Mit einem erwärmten Wasserstrahl (Aqualase) löste er den Linsenkern auf, bevor er die Intraokularlinse implantierte. Zusätzlich hatte er vor der Phakoemulsifikation zur Astigmatismuskorrektur limbale Relaxationsinzisionen ausgeführt.
Da dieser Möglichkeit der Astigmatismuskorrektur enge Grenzen gesetzt sind, stehen für höhere Astigmatismen torische IOL zur Verfügung. Ihre Implantation zeigte Dr. Gangolf Sauder bei einem Patienten mit einem Astigmatismus von 6,75 dpt. 150 bis 200 solcher torischen Linsen mit Z-Haptik habe er bislang implantiert und noch keine postoperativ nachjustieren müssen – die Rotationsstabilität sei gegeben.
Als letzte Operation der Live-Surgery zeigte Jung eine Kataraktoperation kombiniert mit einer Trabekulotomie. Der zweite Teil des Symposiums umfasste eine Reihe von Vorträgen: Dr. Gerald Böhme, Backnang, informierte über die Versorgung mit Verbandlinsen und die Umsetzung der entsprechenden BVA-Leitlinie. Prof. Dr. Renate Unsöld berichtete über die differenzialdiagnostische Bedeutung des Papillenbefundes und Sauder stellte moderne IOL-Konzepte vor. Dr. Margret Vohwinkel (Firma Alcon) stellte schließlich das Konzept der neuen Intraokularlinse Acrysof Restor vor, einer einstückigen IOL mit apodisierter diffraktiv/refraktiver Optik. (jp)